Aufgelesen
“Erneuerbare Energien sitzen in der 3,5-Cent-Falle“
Der Öko-Sex-Kolumnist der „tageszeitung“, Martin Unfried, hat sich auf die Suche nach dem Kernproblem beim Ausbau der erneuerbaren Energien gemacht.
Irgendwann hat Deutschland angefangen, beim Ausbau der erneuerbaren Energien nur noch über Geld zu reden. Was ist billiger – Solar, Atom, Kohle oder Wind?
Die finanziellen Anreize für die einzelnen Erzeugungsformen werden im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt. Und derzeit, das hat Unfried klar erkannt, stehen die Förderzeichen auf Konzernlösungen:
„Die Vergütung für Wind an Land wird stärker abgesenkt als geplant, der Systemdienstleistungsbonus fällt ganz weg. Offshore dagegen bekommt mehr Geld und wird als Priorität verkauft. Wer den dezentralen und kostengünstigen Ausbau der Windenergie im Süden, in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen als große Chance sah, reibt sich die Augen. Auch die im letzten Jahr boomende Photovoltaik (PV) wurde bereits so heftig gekürzt, dass der Zubau im ersten Halbjahr 2011 völlig eingebrochen ist.“
Das Hauptargument in der Diskussion ist und bleibt die EEG-Umlage, also die derzeit 3,5 Cent, die Haushalte pro Kilowattstunde draufzahlen. Dabei sei die EEG-Horrorrechnungen fachlich falsch und nur eine technische Berechnungsgrundlage: „Unser Strompreis zu Hause wäre im Jahr 2011 eben nicht 3,5 Cent billiger, wenn es die Förderung der Erneuerbaren nicht geben würde“, so Unfried in dem ausführlichen und wirklich lesenswerten Artikel auf taz.de.
Aber, und da kritisiert Unfried das „Mediengetöse“ der eigenen Branche, so differenziert sähen das nur wenige seiner Journalistenkollegen. „Die Erneuerbaren sitzen in der 3,5-Cent-Kommunikationsfalle“ und könnten sich schon auf den nächsten Pferdefuß einstellen. Ihnen werde nämlich auch die Verantwortung für die Netzausbaukosten aufgebrummt. Neue Stromnetze, so die Logik, sollen ja den Ökostrom transportieren.