Offener Brief an Kanzlerin
Geballte Verbände-Power für die Energiewende
Die Reihen sind geschlossen. Die großen Umweltverbände – und auch der Bund der Energieverbraucher – haben sich zusammengetan. In einem offenen Brief appellieren sie an die ökologische und ökonomische Vernunft der Bundesregierung. Die Energiewende dürfe nicht gefährdet werden.
Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE), Greenpeace, der WWF, der BUND, der Nabu, die Deutsche Umwelthilfe und der Bund der Energieverbraucher haben Bundeskanzlerin Angela Merkel, CSU-Chef Horst Seehofer und FDP-Chef Philipp Rösler in einem offenen Brief eindringlich vor einer Änderung des Regierungskurses bei der Energiewende und einer Abschaffung des Erneuerbare-Energie-Gesetzes gewarnt.
“Mit großer Verwunderung nehmen wir die aktuellen Diskussionen und Forderungen einzelner Politiker der christlich-liberalen Koalition zur Abschaffung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) wahr“, eröffnet die Verbände-Front ihr Schreiben.
Die garantierte Einspeisevergütung für regenerativ erzeugten Strom sei das wichtigste Instrument der Energiewende. Wörtlich: „Statt über Rückschritte, Deckelungen oder gar die Abschaffung von erfolgreichen Instrumenten zu reden und die von Schwarz-Gelb zitierte Energiewende zu zerreden, sollte es nun ein klares Bekenntnis von Bundesregierung und Koalition zu den ersten eingeleiteten Schritten geben, damit es mit der Energiewende vorangehen kann.“
Die Verbände bieten sich gleichzeitig an, für alle Sachfragen zur Verfügung zu stehen. Dennoch: Der offene Brief an die Kanzlerin ist vor allem Positionspapier. Kein Wunder: Derzeit ringen Politik und Wirtschaft um eine erneute Novellierung des EEG – in einer nicht da gewesenen PR-Schlacht aus prominenten Protagonisten, Studien und Expertisen.
Die große Überraschung in dem offenen Brief ist dabei jedoch der Auftritt des Bundes für Energieverbraucher. Bislang grenzten sich die Verbraucherschützer tendenziell von der Branche der Erneuerbaren ab. Grund: Die Kosten der Energiewende, die letztlich von den Stromkunden getragen werden.
Aber die wachsende Ungerechtigkeit bei der Verteilung jener Kosten, dürfte nun auch den Energieverbraucher-Verband zum Schulterschluss bewegt haben. Tatsächlich ergaben neueste Analysen, dass die Verbraucher den Löwenanteil Energiewende-Finanzierung tragen, während für Großverbraucher aus der Industrie Ausnahmeregelungen gelten.
