Erneuerbare Energien

Wasserstraßen als Pumpspeicher nutzen

pumpspeicher im Kanalsystem 225x300 Wasserstraßen als Pumpspeicher nutzen

Pumpen oder Strom erzeugen: Technik minimal ausbauen

Die Idee ist geniale einfach: Immer wenn der Wind mehr Strom generiert als aktuell gebraucht wird, kann man mit dem Windstrom Wasser aus einem Kanal entgegen der Fließrichtung eine Staustufe hochpumpen. Oben angekommen ist der Strom in Lageenergie verwandelt. Bei der nächsten Stromspitze kann das Wasser durch eine Turbine wieder in das untere Kanalbecken rauschen und dabei zu elektrischer Energie werden.

Das Bestechende an diesem Gedankengang ist, dass die Investitionen äußerst gering sind. Denn das eigentlich teure, der Bau der Speicherbecken und der Abstiegsbauwerke wie Hebewerke und Schleusen fällt weg.

In Nord- und Mitteldeutschland, ausgerechnet dort, wo auch die Vielzahl der Windmühlen steht, existiert ein Netz aus rund 2000 Kanalkilometern das komplett als Pumpspeichersystem genutzt werden kann. Lediglich die Pumpen in den rund 50 bis 60 Abstiegsbauwerken müssten entsprechend umgerüstet werden.

Somit könnte ein System dezentraler Einspeise- und Entnahmepunkte für Windstrom entstehen mit einer Gesamtleistung von grob geschätzten 400 MW.
Bereitschaft da, Machbarkeit in Klärung

Väter des Gedanken sind Hubert Schulte und Jürgen Nölke. Die Geschäftspartner betreiben in der Region Lüneburg eine Erzeugungs- und Verwaltungsgesellschaft für Regenerative Energie.

Bei der Frage, wie denn ihre Wind- und Photovoltaikanlagen nach dem Auslaufen des EEG Geld bringen könnten, haben sie die Idee mit den Kanälen ersonnen. Unweit von Lüneburg befindet sich der Elbe-Seitenkanal, eine insgesamt 115 Kilometer lange Bundeswasserstraße, die den Mittellandkanal mit der Elbe verbindet.

Östlich von Lüneburg steht das Schiffshebewerk Scharnebeck, das die Kanalschiffe in einer Art Badewanne über einen Höhenunterschied von 38 Metern hebt oder senkt. Wer vor diesem imposanten Bauwerk steht kann erahnen, welche Kräfte sich entfalten, wenn 25 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch die Hochwasserentlastungsrohre rauschen. Entsprechend stark röhrt und dröhnt es im inneren des Hebewerkes, dort wo die Hochleistungspumpen stehen.

In dieser Maschinenhalle haben Hubert Schulte und Jürgen Nölke ihre Idee vergangene Woche der Öffentlichkeit präsentiert. Anwesend war auch Martin Köther, der Amtsleiter des Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Uelzen, der dieser Idee grundsätzlich offen gegenübersteht.

Allerdings betont er gerne, dass „die Hauptaufgabe der Wasserstraßen die Schifffahrt ist. Wir müssen uns bei der Idee der Pumpspeicher in dem Rahmen bewegen, den wir für die Schifffahrt brauchen. Wir können die Kanäle nicht beliebig volllaufen lassen.“ Deichsicherheit und Durchfahrtshöhen unter Brücken geben den Rahmen vor.

Aber die meisten Kanalbecken haben einen Spielraum von wenigen Dezimetern, in dem die kurzzeitige Zwischenspeicherung von überschüssiger Windenergie durchaus denkbar ist.

Ob diese so einfach erscheinende Idee tatsächlich machbar ist, dass muss jetzt Professor Thomas Schomerus zeigen. Der Wissenschaftler von der Leuphana Universität Lüneburg, Spezialist für Umwelt- und Energierecht war spontan von der Idee angetan und sitzt neben den Praktikern Hubert Schulte und Jürgen Nölke sowie Martin Köther vom WSV quasi mit im Boot derer, die die oberen Kanalbecken mit Windenergie volllaufen lassen wollen.

Geht das überhaupt? Wie geht das? Unter welchen Bedingungen darf man das? Und dann die immer wieder entscheidende Frage: Rechnet sich das? Fragen an den Juristen Schomerus, aber auch an seine Kollegen aus den Wirtschaftswissenschaften und den Ingenieurswissenschaften. Schomerus stellt derzeit ein Team zusammen und schreibt Anträge für Drittmittel, um möglichst bald diese Fragen zu beantworten. Denn eines ist allen Beteiligten klar: „Wenn wir nicht sehr schnell aktiv werden, dann machen das andere“, so Thomas Schomerus.

1 Kommentar

  1. Die größten Pumpspeicherkraftwerke – als Wasserschaukel über die Alpen ausgelegt – wären für die Wasserstraße von der Donau zur Adria geplant. Der Betrieb des AlpenKanalTunnels selbst mit dem 300 m hohen Schiffshebewerk – dem höchsten der Welt – kann zum Ausgleich des Stromdargebotes herangezogen werden.
    Das Tirol-Adria-Projekt finden Sie unter www.tirol-adria.com

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